Erfahrungsbericht «Programmieren mit Kindern» an der VHS

“Programmieren gehört zum Spracherwerb für ein Kind in der heutigen Zeit. Nach der digitalen Werkstatt bist du kein digitaler Analphabet mehr. Programmieren macht Spaß. Damit kannst du das Internet so gestalten, wie du es möchtest. In einfachen kleinen Übungen, werden die Programmiertechniken nähergebracht.”

So stellte sich der VHS-Kurs “Programmieren für Kinder” vor, der gestern stattgefunden hat. Hier meine zwei Cent zur Veranstaltung.

Veranstaltungsrahmen

  • Einmaliger Kurs an der VHS Bonn, Dienstag 21. März 2017
  • Dozenten: Basti und Paul
  • Teilnehmer

    • 20 Kinder (5 Mädchen, 15 Jungen)
    • Alter von 8 bis 15 (Schnitt: 11.4, Median: 11.0, Std.Abw.: 1.8)
  • Vorerfahrung: Etwa die Hälfte aller Kinder hatte Vorerfahrung, häufigste Nennung (unsortiert):

    • Erfahrung mit Scratch
    • Eltern sind Programmierer/Informatiker
    • Erfahrung mit einzelnen code.org-Spielen
    • Erfahrung mit Lego Mindstorm
  • Motivation: Blieb recht vage, die meisten wollten “mehr über Programmieren erfahren”

Ablauf

  • Vorstellungsrunde (programmierter Zufallsgenerator wählte das nächste Kind)
  • Warmup: Der kleine Panda muss zu seinem Futter

    • die Kinder haben per Meldung gesagt, was gemacht werden muss, Basti hat programmiert
    • Lernziel: Praktische Erfahrung mit Programmierung als Vorbereitung für Frontalvortrag
  • Frontalvortrag, Take-Home-Message: Computer ..

    • .. sind eigentlich ziemlich dumm
    • .. verstehen nur Maschinensprache
    • .. können nur wenige Befehle ausführen, aber dafür super schnell
    • .. kennen feste Befehle: Vorwärts gehen, Zahl addieren, Taste einlesen, etc.
    • .. kennen feste Kontrollflüsse: Wenn-Dann, Wiederhole-Bis, etc.
    • .. rechnen mit Einsen und Nullen
    • Was ist ein Algorithmus? Beispiele für Algorithmen im Alltag (Backrezept, etc.)
  • Vorbereitung der Gruppenarbeit

  • Kurze Pause

  • Gruppenarbeit: Programmieren ohne Computer in zwei 10-er Gruppen

    • 2x20 Minuten, jede Gruppe macht beide Aufgaben
    • Gruppe 1: Programmieren von Bubble-Sort

      • Lernziel: Feste Befehle und Kontrollflüsse anwenden
      • Material: Pappbecher beschriftet mit ausgedachten Zahlen
      • Vorgabe von erlaubten Instruktionen: Für jede Zahl; Wiederhole-Bis-Sortiert, Tausche-Zahl-mit-Nachfolger, Vergleiche-Zahl-Mit-Nachfolger
      • Inspiration
    • Gruppe 2: Addition mit Binärzahlen

      • Lernziel: Rechnen im Binärsystem verstehen
      • Material: Pappteller mit Binärzahlen, Flipchart zum Rechnen
      • Inspiration
  • Wiederholung der Take-Home-Message

  • Offene Fragerunde

  • Feedbackrunde

Den kleinen Foliensatz zum Frontalteil könnt ihr hier herunterladen.

Erfahrungsbericht

  • Ablauf

    • Der Kursumfang und die zeitliche Durchführung haben gut in die 2 Stunden gepasst
    • Die Zahl der Kinder war grenzwertig, ohne zweiten Dozenten wäre es nicht machbar gewesen (Danke Paul!)
    • Wir waren froh, dass wir keine Technik benutzt haben, die Eventualitäten beim Einrichten hätten vermutlich viel Zeit gekostet
  • Konkretes Feedback einzelner Kinder für das nächste Mal:

    • Weitere Themen neben Binärrechnen und Sortieren
    • Computerspiele hacken, RaspberryPi programmieren, …
    • Fortsetzung für Fortgeschrittene
    • Eigene Laptops zum Mitbringen sind kaum vorhanden
  • Allgemeines Feedback der Kinder

    • Der Kurs war insgesamt für den Schnitt etwas zu leicht, dass Verhältnis zwischen Vortrag und Programmieren aber okay (vgl. Diagramm)

Übersicht des Kursfeedbacks

Persönlicher Eindruck

Es hat sehr viel Spaß gemacht :) Die Kinder waren motiviert, interessiert und die Konzentration war fast über die gesamte Zeit da. Die Bandbreite beim Alter und der Vorerfahrung war insgesamt zu groß. Zwei Zielgruppen 8-11 und 12+ wären besser gewesen. Konkret waren die Unerfahrenen über die gesamte Zeit von den “Cracks” eingeschüchtert und haben wenig von allein gesagt. Ein Dozent für die Anzahl Kinder wäre definitiv zu wenig gewesen.

Gerade bei der Erwartungshaltung der Kids, was man in Folgeveranstaltungen machen könne (“Eine App für iOS programmieren”, “ein Computerspiel hacken”, “einen RaspberryPi programmieren”), wüsste ich ehrlich gesagt nicht, wie man da ansetzt. Ich war erfreut, dass den meisten Kids klar ist, dass der “Informatik”-Unterricht in der Schule oft wohl eher Unterricht in Computerbenutzung bzw. Medienkompetenz ist. Aber auf der anderen Seite finde ich den Weg von Addieren mit Binärzahlen zu RaspberryPi programmieren sehr weit. Da wird auch viel praktisches Programmieren und Informatik in einen Topf geworfen. Hier würden mir die didaktischen Fertigkeiten fehlen, um das kindgerecht runterzubrechen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein sehr einfacher Computer (z.B. die Calliopes) mit einer grafischen Programmierumgebung ein guter Ansatz wäre, um logisches, algorithmischen Denken zu fördern und gleichzeitig sichtbare Ergebnisse zu erzielen.

Aber als Software-Entwickler fänd ich es auch schön, wenn man einen Weg findet, sehr komplexe technische Vorgänge für Kinder verständlich zu machen. Ich meine z.B. Fragen wie: “Wie kommt das YouTube Video auf das Smartphone?”, “Hat das Internet einen Aus-Schalter?”, “Wieso kann Google in 1 Sekunde das ganze Internet durchsuchen?”, “Warum ist ‘passwort’ ein schlechtes Passwort?” Zumindest bei den Kids in meiner Umgebung ist das ja quasi Grundrauschen - ist halt da und geht :)

Interessante Quellen

Weiterführende Gespräche und Hintergründe zum genannten Kurs findet Ihr im entsprechenden Thread auf bonn.community. Bei der Vorbereitung bin ich darüber hinaus über folgende Sachen gestolpert, die ich interessant fand: